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Bauhüttenwesen

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"Im selben Moment erschien eine zweite Gestalt auf dem Gerüst. Jacop war es, als komme sie geradewegs aus dem Nichts. Der Neuankömmling war weit größer als Gerhard. Er manifestierte sich so dicht bei dem Dombaumeister, dass ihre beiden Schatten einen Moment lang miteinander zu verschmelzen schienen. Dann ertönte ein schriller Schrei, und Jacop sah Gerhard durch die Luft stürzen, vorbei an seinen Gerüsten, Säulen und Kapitellen, seinen Streben und Piscinen, Gewänden und Sockeln."

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So beschreibt Frank Schätzing in seinem historischen Roman „Tod und Teufel“ die vermeintliche Ermordung von Gerhard von Rile.

Gerhard von Rile war der erste Dombaumeister des Kölner Doms und damit Chef einer der größten Baustellen seiner Zeit.

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Der Bau des Kölner Doms, der seit 1996 UNESCO-Welterbestätte ist, wurde erst möglich durch das Zusammenspiel verschiedener Gewerke und der speziellen Fähigkeiten von zeitweise bis zu 550 Handwerkern.

Sie arbeiteten in eigenen Räumlichkeiten, die in unmittelbarer Nähe der Baustelle lagen – der Dombauhütte.

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Unter der Leitung des aktuellen Kölner Dombaumeisters Peter Füssenich arbeiten etwa 60 Mitarbeiter, vor allem Steinmetzen und Bildhauer.

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Hinzu kommen unter anderem Dachdecker, Gerüstbauer, Schreiner, Maler, Elektriker, Schlosser, Schmiede und Glasmaler.

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Sie alle haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrem über viele Generationen weitergegebenen Wissen und Können das Bauwerk zu erhalten.

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Bauhütten sind bis heute in ganz Europa verbreitet.

Traditionell gewachsene wie auch neueingerichtete Bauhütten gibt es beispielsweise in Frankreich, Österreich, der Schweiz oder Norwegen.

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Die Bedingungen, denen Bauwerke ausgesetzt sind, ändern sich im Laufe der Zeit:

Im 19. und 20. Jahrhundert führte beispielsweise saurer Regen, der durch die Verbrennung von Kohle, Heizöl und Benzin hervorgerufen wurde, zu starken Beschädigungen der Natursteine. Die Steinstruktur veränderte sich und verlor an Stabilität.

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Heute sind es überwiegend witterungsbedingte Umwelteinflüsse, wie Winde, Starkregen oder Blitzschlag, die die Architektur bedrohen. Aber zum Beispiel auch Schäden, die durch vermehrte Autoabgase entstehen.

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Um darauf zu reagieren, entwickeln sich Bauhütten kontinuierlich weiter.

Sie setzen moderne und innovative Techniken und Gerätschaften ein. Dadurch entsteht neues handwerkliches Wissen und Können.

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Laserscanning, Plotter, 3D-Modelle oder IT-Datenbanksysteme sind inzwischen selbstverständlich in den Bauhütten.

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus der Baustoffforschung sowie Prinzipien des Schutzes alter Bausubstanz finden in Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und in enger Abstimmung mit der staatlichen Denkmalpflege ihre Anwendung.


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Altes zu bewahren erfordert also stets Neues zu erlernen.

Die großen Bauhütten in Deutschland gelten heute als regelrechte “Kompetenzzenten für Naturstein“, in denen das Wissen zur Steinbearbeitung (weiter-)entwickelt, erprobt, gespeichert und weitergegeben wird.

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Die Ausbildung des Nachwuchses im Werkstattverbund ist die wichtigste Maßnahme der Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von Handwerkstechniken und -bräuchen in den Bauhütten.

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Die Ausbildung setzt auf eine enge persönliche, langjährige Beziehung zwischen Meister und Lehrling.
Gerade in der Vermittlung so genannten impliziten Wissens - man spricht in diesem Zusammenhang von der „Intelligenz der Hände“ - hat sich diese Form der Weitergabe von Fertigkeiten über die Jahrhunderte hinweg bewährt.

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Die so genannten Hüttenarchive mit ihren verschiedenen Sammlungen stellen die Nachvollziehbarkeit der durchgeführten Arbeiten am Bau für spätere Generationen sicher.

Hier werden wichtige Erkenntnisse für den Erhalt historischer Bauwerke gesammelt, aufbewahrt und zugänglich gemacht, auch in online zugänglichen Datenbanken.

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Ist denn überhaupt der Erhalt alter Gebäude noch wichtig für die Menschen heutzutage?

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Als öffentliche „Baustelle“ im Herzen der Stadt hat die Stadtbevölkerung seit jeher eine besonders enge Beziehung zu „ihrer Bauhütte“. Die Bauhütten stellen Informations- und Vermittlungsangebote zur Verfügung und fördern das Bewusstsein für Handwerkstechniken.

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Mitarbeitende von Bauhütten aus Frankreich, Österreich, der Schweiz, Norwegen und Deutschland bereiten derzeit eine Nominierung für das UNESCO-Register Guter Praxisbeispiele der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes vor.

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Die Genossenschaften in Deutschland, Yoga in Indien oder die Fähigkeiten der Wasserrichter in Algerien – sie alle gehören zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Über 500 Formen des Immateriellen Kulturerbes sind auf den internationalen UNESCO-Listen verzeichnet, über 90 im deutschen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Kriterien für die Anerkennung sind unter anderem eine nachweisbare Lebendigkeit und eine identitätsstiftende Komponente für die Trägergemeinschaft der Kulturform und die Entwicklung von kreativen Erhaltungsmaßnahmen.

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UNESCO-Welterbestätten, -Biosphärenreservate, -Geoparks, Formen des Immateriellen Kulturerbes und das Weltdokumentenerbe sind Zeugnisse der Geschichte und eine Basis für die Gestaltung einer friedvollen Zukunft. Sie zu erhalten, für interkulturellen Dialog und globale Partnerschaften zu nutzen und mit ihnen Zukunft zu gestalten, ist das zentrale Anliegen der UNESCO.

Die UNESCO ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.

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